Interpretation von Kurzgeschichten – Das Thema

Kapitel 3

Wie findet man heraus, worum es in einer Kurzgeschichte eigentlich geht?

Das ist bei manchen Geschichten schwieriger als bei anderen. Die meisten Geschichten enthalten eine äußere Handlung und eine zweite, innere, die nicht so offensichtlich ist.

Natürlich kann man bei der Kurzgeschichte „An manchen Tagen“ (Quelle: Klett) von Nadja Einzmann schreiben, dass um eine Person geht, die im Bett liegt und selbst auf Bitten der Mutter hin ihr Zimmer nicht verlassen will. Das ist nicht falsch. Aber das ist auch nicht das, worum es eigentlich geht.

Es ist aber ganz, ganz wichtig, dass ihr die Bedeutung erkennt, die zwischen den Zeilen steht. Wenn euch das nicht gelingt, bleibt euer Aufsatz an der Oberfläche einer Inhaltsangabe und ihr kommt über das Aufzählen verschiedener Stilmittel nicht hinaus.

Wenn ihr es aber schafft, der Geschichte eine Richtung, ein Thema zu geben, werdet ihr sehen, dass sich alles andere wie magisch dieser Richtung unterordnet. Erzählperspektive, Zeit, Ort und Stilmittel – das alles wird plötzlich einen Sinn ergeben wie einzelne Puzzleteilchen, die sich zu einem großen Ganzen zusammensetzen. Ihr werdet dann merken, dass der Autor oder die Autorin kein Wort irgendwo zufällig hingeschrieben hat, sondern das alles, so wie es ist, einen perfekten Sinn ergibt. Und entsprechend perfekt kann dann auch eure Interpretation werden!

Tipps:

  • Lest euch die Geschichte sorgfältig durch! Mehrmals – manchmal sind auch dreimal nicht genug.
  • Schlüsselmomente pflegen in der Überschrift, der Einleitung und dem Schluss zu stecken. Darüber also besonders heftig nachdenken.
  • Achtet auf das, was NICHT erzählt wird. Auf Dinge, die nicht gesagt werden, auf Handlung, die nicht stattfindet, auf Zeitabschnitte, die nicht beschrieben werden.
  • Geht im Geiste mal die großen Themen der Menschheit durch und überlegt euch, welches davon passt: Liebe, Hass, Besessenheit, Neid, Eifersucht, Angst, Verlust, Abschied, Tod, Freundschaft, Treue, Wut, Gewalt, Stolz, Vorurteile usw.

Kapitel 5: Zeit und Raum

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