Lernzentrum Killesberg: Tutorial

Tipps für den Aufsatz: Wie bekommt man mehr Sprachpunkte?

Regeln für einen präzisen Schreibstil

Guter Stil hängt nicht nur von einem vielseitigen Vokabular, einwandfreier Grammatik und einem aufmerksamen Sprachempfinden ab, sondern vor allem von der Fähigkeit, unterscheiden zu können, in welcher Schreibsituation welches Sprachniveau angemessen ist.

Der Schulaufsatz ist nicht dazu da, dass Sie sich als Nachwuchs-Kafka profilieren. Ihr erster und letzter Gedanke muss es sein, Ihre Texte verständlich und sachlich zu gestalten, damit der Leser bzw. Korrektor auch ganz genau versteht, was Sie sagen wollen, und Freude daran hat, Ihren Aufsatz zu lesen. 

1. Spicken Sie Ihre Texte nicht mit hohlen Phrasen und Floskeln!

In einem Spiegelartikel bezeichnet der Autor Alexander Demling solche Worthülsen als „rhetorische Nebelbomben“ (1). Und genau dieser Effekt entsteht, wenn Sie Ihre Sätze damit füllen: Sie verlieren den klaren Ausdruck und die Aussagefähigkeit.

Ein Korrektor wird dadurch zu dem Schluss gelangen, dass Sie die Aufgabe oder den Originaltext nicht richtig verstanden haben und sich stattdessen mit Um-den-heißen-Brei-herum-reden behelfen wollen. Damit tun Sie sich keinen Gefallen, das gibt keine Punkte.

Beispiele für Füllwörter: allerdings, anscheinend, augenscheinlich, ausdrücklich, bei weitem, besonders, bestenfalls, bestimmt, demgegenüber, echt, eigentlich, einfach, einigermaßen, einmal, endlich, erheblich, etwas, fast, fraglos, freilich, genau, einigermaßen, grundsätzlich, halt,  usw.

Beispiele für Abtönungspartikel: ja, wohl, aber, auch, denn, überhaupt, eben, ruhig, doch, etwa, mal, usw.

Er ist ja wohl allerdings auch nicht der beste Pokerspieler.

(1) http://www.spiegel.de/karriere/bullshit-phrasen-im-buero-manager-sprech-ueben-mit-bullshit-o-mat-a-1004202.html

 

2. In einem sachlichen Aufsatz gibt es kein „Wir“

Das Personalpronomen „wir“ hat in Aufsätzen nichts zu suchen.

Schreiber versuchen damit, schwachen Argumenten den Anschein einer Mehrheitsmeinung zu verleihen, die sie faktisch gar nicht absichern können. Oder es entsteht der Eindruck, der Schreiber wende sich direkt an seine Leser, und das ist innerhalb einer Analyse, Interpretation oder Erörterung völlig unseriös.

Beispiele:

Der Autor erweckt so in uns den Eindruck, dass wir uns seiner Meinung anschließen sollen.

Gleich zu Beginn des Textes werden wir dadurch abgeschreckt, dass der erste Satz sich über drei Zeilen zieht.

Beim Leser entsteht Verwirrung darüber, wer genau mit dem „wir“ gemeint ist. Die Familie des Schreibers? Die Freunde des Schreibers? Alle Menschen in Deutschland? Alle Menschen auf der Welt?

Stiften Sie keine derartige Verwirrung in Ihren Texten!

 

3. Auch „man“ erzeugt Verwirrung

Das Pronomen „man“ ist nicht umsonst ein Indefinitpronomen, also ein unbestimmtes Fürwort. Es kann für unbestimmte Personen und unbestimmte Mengen an Personen verwendet werden, für Verallgemeinerungen und andere unkonkrete Aussagen.

Genauso wie mit „wir“ lässt sich mit „man“ also darüber hinwegtäuschen, dass ein Schreiber keine Ahnung hat, wovon er / sie spricht.

Die Distanzierung mit „man“ kann man oft vor Gericht hören:

Man war angeblich nicht zu Hause gewesen, als die Nachbarn klingelten. Anschließend war man zu faul, den Müll aus der Garage zu holen.

Solche Sätze klingen furchtbar. Jeder Zuhörer oder Leser muss sich fragen: Wer IST denn „man“?

Nennen Sie Dinge und Personen beim Namen, bleiben Sie konkret!

 

4. Bleiben Sie aktiv!

Ebenfalls ins Reich der Vernebelungstaktiken gehören überflüssige Passivkonstruktionen. Sie machen einen Text sperrig, wirken auf Dauer eintönig und lassen den Leser oft im Unklaren darüber, wer etwas tut.

Dadurch hinterlassen Ihre Texte einen eher schwachen Eindruck.

Durch zahlreiche Anaphern wird die Dringlichkeit des Anliegens betont.

Am Ende des Absatzes wird die anfangs aufgestellte, nicht überzeugende These widerrufen.

Nennen Sie die Verursacher beim Namen!

 

5. Verwirrende Anführungszeichen

Mit Anführungszeichen deutet ein Autor an, dass Begriffe oder Formulierungen aus einem anderen Text oder Gehirn stammen oder dass er oder sie etwas nicht so meint, wie es gesagt bzw. geschrieben wird.

Anführungszeichen verwendet man aber nicht für Metaphern!

Metaphern sind von ihrem Grundprinzip her Redewendungen, die man gar nicht so meinen KANN, wie man es sagt. Deshalb ist es völlig widersinnig, sie in Anführungszeichen zu setzen.

Wenn jemand schreibt:

Meine kleine Katze „frisst uns noch die Haare vom Kopf“

sind keine Anführungszeichen notwendig, damit Leser wissen, dass die Katze den Leuten nicht wahrhaftig die Haare vom Kopf wegfrisst.

Im Aufsatz dürfen Anführungszeichen nur für Titel und Zitate verwendet werden. Verwirren Sie Ihre Leser also nicht zusätzlich mit Formulierungen, die Sie dem Anschein nach nicht so meinen, wie Sie sie aufschreiben.

 

6. Falsche Relativpronomen

Leichtgängiger Stil: der, die, das

Wir wohnen in dem Haus, das oben auf dem Hügel steht.

Sie suchten sich einen Stuhl, der zum Esstisch passte.

Dort wohnt eine Mieterin, die die Nachbarn gar nicht kennen.

Schwerfälliger Stil: welcher, welche, welches

Wir wohnen in dem Haus, welches oben auf dem Hügel steht.

Sie suchten einen Stuhl, welcher zum Esstisch passte.

Dort wohnt eine Mieterin, welche die Nachbarn nicht kennen.

Man hört und sieht das schwerfällige „Welches“ zwar immer öfter in den Medien, was aber nicht bedeutet, dass es guter Stil ist. Seien Sie sich der unterschiedlichen Stilebenen bewusst: Wenn Sheldon Cooper so spricht, soll damit seine arrogante, gestelzte Ausdrucksweise verdeutlicht werden.

In einem Aufsatz dürfen Sie weder arrogant noch gestelzt klingen.

 

7. Demonstrativpronomen

Demonstrativpronomen werden dazu verwendet, auf einen ganz bestimmten Sachverhalt hinzuweisen.

Beim Schreiben sollte man nicht der/die/das durch dieser/diese/dieses austauschen. Dieser/diese/diese werden speziell für Entfernungen verwendet, sie zeigen also im Grunde mit dem Finger auf etwas:

Dieses Auto möchte ich haben, nicht jenes dort drüben!

Das geht beim Schreiben nicht, deswegen hören sich dieser/diese/dieses immer ein wenig merkwürdig an. Verwenden Sie stattdessen der/die/das oder besitzanzeigende Pronomen!

Dies gefällt mir nicht. – Das gefällt mir nicht.

Mit dieser konnte sie nicht in Kontakt kommen. – Mit ihr konnte sie nicht in Kontakt kommen.

 

8. Nominalstil

Der Autor Wolf Schneider beschreibt den Nominalstil in seinem Buch „Deutsch für junge Profis“ folgendermaßen:

„‚Nominalstil‘ nennt die Stilistik die Vorliebe für vermeidbare, gespreizte, erkünstelte Substantive – auch ‚Amtsdeutsch‘ oder ‚Bürokratenjargon‘  […]“

Gemeint sind damit vor allem substantivierte Verben und Adjektive. Mit ein bisschen Gewalt kann man immer ein Substantiv konstruieren, aber gut klingt das in einem Text nicht. Es beeinträchtigt den Lesefluss und macht Sachverhalte unnötig kompliziert.

Die Dauer der Schulzeit bis zur Erlangung der Allgemeinen Hochschulreife beträgt 12 oder 13 Schuljahre.

Quelle: https://www.kmk.org/themen/allgemeinbildende-schulen/bildungswege-und-abschluesse/sekundarstufe-ii-gymnasiale-oberstufe-und-abitur.html

 

9. Bandwurmsätze

Auch wenn die Verständlichkeitsforschung herausbekam, dass Sätze mit sieben bis zehn Wörtern am verständlichsten für den Leser sind, dürfen Ihre Sätze auch gerne länger sein. Aber mit Nebensätzen und Einschüben müssen Sie vorsichtig umgehen!

Dem uns zum genannten Zeitpunkt noch nicht bekannten und vom Schulhof der Grundschule Salzäcker verbannten Hund, wurde heute der Zutritt verwehrt. (Zwischen Artikel und Substantiv stehen 14 Wörter!)

Der Mann lag im Großen und Ganzen und im Nachhinein gesehen auch völlig zu Recht mit seiner Behauptung daneben. (Zwischen der zweiteiligen Satzaussage befinden sich zwölf Wörter.)

Solche Schachtelsätze wirken weder besonders elegant noch besonders intelligent. Viel besser ist es, wenn Sie für mehrere Informationen auch mehrere Sätze verwenden.

 

10. Sachlichkeit

Bei der Zusammenfassung von Inhalt, bei der Analyse, der Deutung und bei der Erörterung müssen Sie sachlich schreiben.

Und was bedeutet „sachlich“?

  • konkret
  • nicht wertend
  • nicht kommentierend
  • mit passender Stilebene

Die passende Stilebene ist in diesem Fall weder das altmodische, gezierte Deutsch aus dem „Herrn der Ringe“, noch die lockere Art und Weise, wie Sie beispielsweise mit Ihren Freunden sprechen. Sie schreiben also weder „schreiten“ noch „rumlatschen“ sondern „gehen“.

Achtung: Es passiert leicht, dass man den Stil der Textvorlage in seinen eigenen Aufsatz übernimmt. Das funktioniert jedoch nicht, weil der Stil von Gedichten, Kurzprosa, Theaterstücken, Romanen und Essays nicht der richtige für einen Aufsatz ist. Nur weil beispielsweise die Autoren der Artikel für die textgebundene Erörterung Neologismen und Umgangssprache verwenden, dürfen Sie das nicht.

Verwenden Sie folgende Stilmittel nicht!

  • Ellipse (Danton betrügt seine Frau. Jeden Tag.)
  • Alliteration, Anapher, Epipher, Klimax (Danton betrügt, Danton bringt seine Freunde ins Gefängnis, Danton reißt seine Frau mit in den Tod.)
  • Emphase, Anadiplose (Furcht führt zu Wut. Wut führt zu Hass. Hass führt zu Leid.  Yoda)
  • Besonders blumige Metaphern, am liebsten gar keine Metaphern.
  • Besonders blumige Vergleiche

Sie dürfen selbstverständlich anschaulich schreiben und dafür Vergleiche, Metaphern und Analogien verwenden. Aber übertreiben Sie es damit nicht. Sie sollen nicht durch Ihre ausgefallene Ausdrucksweise auffallen, sondern durch eine präzise, angemessene Ausdrucksweise

Verallgemeinern Sie nicht!

  • wir / uns / man
  • alle, niemand, keiner, andere, immer, nie

Vermeiden Sie auch Sätze wie:

Jugendliche schreiben keine Briefe mehr.

Das mögen die Menschen gar nicht.

Keine wertenden Adjektive

In der Inhaltsangabe und der Analyse müssen Sie besonders sachlich bleiben. An diesen Stellen dürfen Sie keine Einschätzung oder einen Kommentar schreiben.

Folgende Adjektive sollten Sie also nicht verwenden:

  • leider, angeblich, glücklicherweise, nahezu, an sich, außergewöhnlich, seltsam usw.

 

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