Corona und Anträge – Von Wörtern, die ich nicht mehr hören kann

(Achtung, es folgt eine kurze Tirade.)

Es gibt Begriffe, die man so oft hört, dass man gefühlt schon auf 180 ist, wenn jemand nur ansetzt, eines dieser Wörter zu verwenden. Für alle, die es interessiert: Man nennt sie auch inflationär gebrauchte Wörter. Warum? Fragt mal eure Bekannten aus der Wirtschaft – aber bitte auf das social distancing achten. Noch so eines. Für mich gehören außer Corona und Anträge noch Trump, Johnson, Heidi Klum und ungesund zu den Begriffen, die ich am liebsten nie wieder hören oder lesen möchte. Versteht mich nicht falsch, ich bin mir bewusst, in welcher Situation sich die Welt zur Zeit befindet. Und ich weiß, dass jeder Mensch auch seine gute Seite hat, egal wie wenig er sie zeigen mag. Und ja, es ist wichtig, auf seine Gesundheit zu achten. Dennoch möchte ich gerne mal einen Tag erleben, an dem einem kein absolut beängstigender Vorgang förmlich ins Gesicht geklatscht wird.

(Tirade Ende)

Es gibt einfach so viel mehr, das den Menschen gerade wichtig ist. Ganz normale Dinge, die nichts mit Pandemie oder Politik zu tun haben. Bei mir ist das beispielsweise ein Umzug, den ich planen muss. Und bei meiner ersten ‚eigenen‘ Wohnung habe ich definitiv mehr Bedenken als bei dem Mysterium um Kim-Jong Un. Da mir aber niemand den Gefallen tun wird, die Weltproblematik von meiner eigenen zu trennen, sorge ich selbst dafür, dass ich ein bisschen Normalität spüren kann. Rituale sind da wichtig.

Ich stehe früh auf, auch wenn ich länger schlafen könnte. Ich mache mir Tee, frühstücke irgendwas und höre ein bisschen Musik. Dann setze ich mich an die Schule. Ich habe mir eine Lernpartnerin gesucht, wir sitzen jeden Tag von 8:30 bis 12:00 gemeinsam am Tisch und jeder macht seine Aufgaben, bis jemand von uns „Ich kann das nicht.“ sagt. Dann machen wir eine Raucherpause und setzen uns wieder hin. Am Nachmittag das selbe Spiel, wenn wir nicht gerade andere Termine haben. Die Abende aber sind Freizeit, egal was ist. Dann mache ich irgendwas, was mir Spaß macht – Kochen, Singen, Aufräumen, Spielen. Struktur ist zur Zeit einfach wichtig, aber bitte nicht nach dem Motto: „Es ist Corona, ich brauche Struktur.“ sondern „Ich möchte etwas sinnvolles tun, ich brauche Struktur.“.

Tu’s nicht für Corona, tu’s für dich. 🙂

Jennifer

 

P.S.: Lobt euch mal ein bisschen selbst! Monatelang habe ich gehört: „Du machst ja nur Fernschule.“ Und jetzt auf einmal, wo jeder Fernunterricht hat, wird erst bewusst, welche Leistung wir eigentlich vollbringen. Ich höre nun viel öfter den Satz „Du machst Fernschule, wie schaffst du das?“ und das tut ganz schön gut.

 

allgemeine Tipps gegen Reizüberflutung, Zukunftsängste und Lagerkoller:

  •  bewusst das Internet ausschalten. Einfach mal ein, zwei Stunden offline sein und es genießen!
  •  Spaziergänge. Ich bin ein wirklich fauler Mensch, aber ich genieße es tatsächlich, mit guter Musik im Ohr einfach mal drauf los zu laufen.
  •  Listen! Ich liebe Listen. Schreibt eure Pläne nach der Ausgangssperre auf, macht eine Liste von Gerichten, die ihr gerne mal wieder essen würdet oder einen allgemeinen Tagesplan – etwas abzuhaken fühlt sich richtig gut an.
  •  Musik. Stellt euch Playlisten zusammen (oder sucht Vorerstellte), die zu eurer Stimmung passen. Und dann Fenster auf und lauthals mitsingen.
  •  Lesen – bietet sich gerade sehr gut an und versetzt einen kurz in eine andere Welt. Man kann auch schonmal die Pflichtlektüren lesen, dann fühlt man sich, wenn die entsprechenden Aufgaben dran kommen, schon bereit!

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