Anleitung – Textgebundene Erörterung: Wie finde ich heraus, worum es geht?

Kapitel 5: Die Suche nach dem Thema

Die Texte für eine Prüfung werden natürlich so ausgewählt, dass man auch etwas dazu sagen kann. Das heißt, es werden möglichst aktuelle Themen aus den Bereichen Gesellschaft, Kultur oder Politik gewählt, über die man im besten Fall auch streiten kann.

Hinweis: Es kann trotzdem ein Thema auftauchen, mit dem ihr euch überhaupt nicht auskennt, zu dem ihr also folglich auch nichts zu sagen habt, weil ihr die Argumente nicht beurteilen könnt. In diesem Fall solltet ihr euch sofort eine andere Aufgabe suchen! Es ist ein Irrtum zu glauben, dass man mit bloßer Inhaltswiedergabe genügend Punkte für eine ordentliche Note erreichen kann.

Zuerst müsst ihr natürlich erst mal das große Oberthema des Textes herausfinden. Das lässt sich am besten mit der Überschrift, der Einleitung und dem Schluss machen. Wie ihr sicher wisst, sind diese Teile eines Textes dazu da, den Leser zum Lesen zu verlocken und ihm zu verraten, worauf er sich einlässt. Der Schluss macht meistens noch einmal einen Bogen zurück zum Anfang und fasst das Wichtigste zusammen.

Beispiel
In dem Text aus der Abiturprüfung von 2008 „Wertvoller als das eigene Wohlergehen – Wann ist ein Held ein Held?“ von Harald Martenstein (http://de.scribd.com/doc/16202393/Abiturprufung-Deutsch-2008) könnt ihr das gut sehen.

Schon die Überschrift sagt alles: Es geht um Helden und die Definition des Begriffes. In diesem Fall Personen, die bei einer Heldentat ein Risiko auf sich nehmen, um anderen zu helfen.
Ihr entdeckt auch gleich zwei sprachliche Mittel, nämlich eine Ergänzungsfrage und gleichzeitig eine Allusion, also eine Anspielung. In dem Fall auf das bekannte Lied „Wann ist der Mann ein Mann?“ von Herbert Grönemeyer.

Die Einleitung weist darauf hin, dass das Thema speziell auf Deutschland begrenzt ist und deutet an, wir Deutschen hätten eine besondere Einstellung zu Helden.

Die Einleitung schließt mit einer weiteren Ergänzungsfrage: „Was unterscheidet die wahren von den falschen Helden?“

Damit ist das Thema schon in drei Thesen aufgefächert.

1. Ein wahrer Held handelt selbstlos (innere Abgrenzung)

2. In Deutschland steht man dem Heldentum ironisch gegenüber (äußere Abgrenzung)

3. Es gibt auch falsche Helden (Ausweitung, Punkt 1 folgend, vielleicht Personen, die hinter ihrem heldenhaften Handeln ein egoistisches Motiv verbergen)

Wenn ihr nun den Hauptteil lest, könnt ihr mit verfolgen, ob und wie der Autor diese drei Thesen auswickelt und wohin das letztlich führt.

Noch mal: An dieser Stelle ist es nicht eure Aufgabe, euren eigenen Standpunkt zum Thema „Wann ist ein Held ein Held?“ zu äußern! Ihr macht euch jetzt an die Analyse der Argumentation im Hauptteil. Dafür stelle ich euch ein paar Möglichkeiten vor, die Autoren beim Argumentieren anwenden können.

Kapitel 6: Du bist blöd, und ich habe Recht!


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